Sora eingestellt: Was war Sora und was gibt es stattdessen?

Ein Grizzlybär, der in der Fußgängerzone Brezeln verkauft, täuschend echt und mit passendem Ton, erzeugt aus einem einzigen Satz: Mit solchen Clips hat Sora im Herbst 2025 das Netz geflutet. Heute gibt es die Video-KI von OpenAI nicht mehr. Hier erfährst du, was Sora war, warum OpenAI den Stecker gezogen hat, was du stattdessen nutzen kannst und warum die Sora-Videos trotzdem noch lange im Umlauf bleiben.

Kurz erklärt: Sora war die Video-KI von OpenAI (den Machern von ChatGPT). Sie erzeugte aus Text, einem Bild oder einem vorhandenen Video kurze, realistische Clips, mit Sora 2 sogar samt Ton. OpenAI hat Sora am 24. März 2026 eingestellt: Die App und die Webseite sind seit dem 26. April 2026 abgeschaltet, die Schnittstelle für Entwickler (API) seit dem 24. September 2026. Einen Nachfolger hat OpenAI nicht angekündigt (Stand: Oktober 2026).

Was war Sora?

Sora verwandelte Text in Video: Du hast eine Szene beschrieben, Sora hat daraus einen Clip gemacht. OpenAI stellte das Modell im Februar 2024 vor. Öffentlich nutzbar wurde es im Dezember 2024, zunächst in den USA und Kanada. Seit dem 28. Februar 2025 gab es Sora auch in der EU und damit in Deutschland, allerdings nur mit einem bezahlten ChatGPT-Abo (Plus oder Pro).

Die erste Version lieferte stumme Clips. Sora 2 kam am 30. September 2025, zusammen mit einer eigenen App im Stil von TikTok, die zunächst nur in den USA und Kanada und nur fürs iPhone startete. Die wichtigsten Neuerungen:

  • Ton inklusive: Dialoge, Geräusche und Umgebungston wurden gleich mit erzeugt.
  • Realistischere Bewegungen: Abläufe wirkten physikalisch stimmiger als bei der ersten Version.
  • Remix im Feed: Videos anderer Nutzer ließen sich direkt in der App übernehmen und abwandeln.
  • Cameo: Wer ein kurzes Freigabe-Video aufnahm, konnte sein eigenes Gesicht in generierte Videos einsetzen. Genau diese Funktion machte Sora auch zum Deepfake-Werkzeug (siehe unten).

Wie Sora funktionierte, einfach erklärt

Sora arbeitete mit einem sogenannten Diffusions-Transformer. Vereinfacht gesagt startete das Modell mit verrauschtem Bildbrei und schälte daraus Schritt für Schritt ein sauberes Bild heraus, und zwar für alle Bilder des Clips gleichzeitig. Deshalb wirkten Bewegungen meist flüssig und zusammenhängend. Das Video wurde dabei in kleine Häppchen zerlegt, ähnlich wie ein Sprachmodell Text in Wortbausteine zerlegt. Nach demselben Grundprinzip arbeiten auch die heutigen Video-KIs der Konkurrenz.

Warum hat OpenAI Sora eingestellt?

OpenAI hat das Aus am 24. März 2026 über den offiziellen Sora-Account auf X verkündet, aber keinen konkreten Grund genannt. Was Medien wie NBC News, TechCrunch und Variety berichten, ergibt trotzdem ein ziemlich deutliches Bild:

  • Zu teuer: Video-KI braucht ein Vielfaches der Rechenleistung von Text- oder Bild-KI. Schätzungen zufolge kostete der Betrieb rund eine Million US-Dollar pro Tag.
  • Zu wenige Nutzer: Nach dem anfänglichen Hype sank die Zahl der Nutzer weltweit von etwa einer Million auf unter 500.000. Mit so wenigen zahlenden Nutzern ließen sich die hohen Kosten kaum hereinholen.
  • Neue Prioritäten: OpenAI steckt Rechenleistung und Personal lieber in ChatGPT, Programmier-Werkzeuge und Angebote für Unternehmen.

Mit dem Aus endete auch ein großer Deal: Disney hatte im Dezember 2025 eine Investition von einer Milliarde US-Dollar in OpenAI angekündigt, verbunden mit der Lizenz, Disney-Figuren in Sora zu nutzen. Diese Vereinbarung ist mit Sora ebenfalls Geschichte.

Was bedeutet das für dich?

Wenn du Sora genutzt hast: Neue Videos kannst du dort nicht mehr erzeugen, weder in der App noch im Browser noch über die API. Für Entwickler sind alle Sora-Modelle seit dem 24. September 2026 abgeschaltet, ein Ersatzmodell nennt OpenAI nicht. Auch in ChatGPT gibt es derzeit keine Video-Erzeugung als Ersatz. Wer für Videos auf Sora gesetzt hat, muss zu einem anderen Anbieter wechseln.

Und falls dir irgendwo eine „Sora-App“ oder eine Seite mit „Sora-Zugang“ angeboten wird: Das ist nicht OpenAI. Solche Angebote sind bestenfalls Trittbrettfahrer und schlimmstenfalls Abo-Fallen oder Datensammler.

Gute Alternativen zu Sora

Die Lücke haben andere schnell gefüllt. Die bekanntesten Video-KIs, die du heute nutzen kannst:

  • Google Veo: Googles Video-KI, nutzbar über die Gemini-App und das Google-Werkzeug Flow, auch in Deutschland, allerdings nur mit einem kostenpflichtigen Google-AI-Abo. Gilt derzeit als einer der stärksten Ersatzkandidaten, auch Ton kann sie mit erzeugen.
  • Runway: Der Klassiker für Kreative und Werbeleute, mit vielen Möglichkeiten zur Kamera- und Bildsteuerung.
  • Kling: Die Video-KI des chinesischen Konzerns Kuaishou, stark bei schnellen Bewegungen und vergleichsweise günstig. Wie bei jedem Dienst aus China gilt: Überleg dir gut, welche Fotos und Daten du dort hochlädst.

Preise und Gratis-Kontingente ändern sich bei allen Anbietern ständig. Prüfe deshalb vor einem Abo direkt auf der Anbieterseite, was du für dein Geld bekommst. Einen Überblick, welche KI-Werkzeuge sich wirklich lohnen, findest du in unserem Vergleich KI-Tools: gratis oder bezahlt?.

Sora ist weg, die Deepfakes bleiben

Mit dem Aus von Sora ist das Problem gefälschter Videos nicht verschwunden. Erstens kursieren unzählige bereits erzeugte Sora-Clips weiter in sozialen Netzwerken. Zweitens erzeugen die Alternativen inzwischen ähnlich realistische Videos mit Ton erzeugen. Die Cameo-Funktion hatte vorgemacht, wie niedrig die Hürde für Deepfakes geworden ist: Offiziell brauchte es zwar die Zustimmung der gezeigten Person, aber solche Schranken haben Löcher, und längst nicht jedes Video-Tool hat überhaupt welche.

Sora-Videos trugen ein sichtbares Wasserzeichen und unsichtbare Herkunftsdaten. Verlass dich darauf nicht, denn beides lässt sich abschneiden oder entfernen. Nur weil ein Video echt aussieht und Ton hat, ist es noch lange nicht echt. Wie du Fälschungen erkennst und dich schützt, zeigen wir dir ausführlich in unserem Ratgeber Deepfakes erkennen. Woran du KI-erzeugtes Material generell entlarvst, steht im Artikel KI-Slop erkennen.

Fazit

Sora hat gezeigt, wie weit KI-Video in kurzer Zeit gekommen ist, und gleichzeitig, wie teuer diese Technik ist. Nach allem, was bekannt ist, konnte selbst OpenAI sie nicht wirtschaftlich betreiben. Wer heute KI-Videos erstellen will, greift zu Google Veo, Runway oder Kling. Für alle anderen bleibt die wichtigste Lehre aus der Sora-Zeit: Ein Video ist heute kein Beweis mehr. Durchblick statt Durcheinander, auch beim bewegten Bild.

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